Schwelm
"Wir brauchen keine schlauen Tipps von außen"

Alle Städte des EN-Kreises zahlen eine so genannte Kreisumlage. Sie soll in diesem Jahr um mehr als 14 Prozent steigen, was die ohnehin klammen Kommunen vor gewaltige Probleme stellt. „Bei dieser Größenordnung geht selbst der stärkste städtische Haushalt in die Knie“, kritisierte die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK) – und sorgte damit für massive Verärgerung im Schwelmer Kreishaus.

„Es ist schon erstaunlich, mit welchen Aussagen sich eine Institution, deren Einnahmen aus Zwangsmitgliedschaften von Unternehmen stammen, darüber auslässt, wie wir als Kreis unsere Umlage gestalten“, sagt Landrat Dr. Arnim Brux, der sich „irritiert und verärgert“ zeigt: „Ich habe kein Verständnis dafür, dass sich die SIHK von außen in das grundsätzlich gute und kooperative Verhältnis zwischen dem Kreis und seinen Städten einmischt. Wir brauchen keine Tipps von außen. Dies gilt umso mehr, wenn die Ratschläge der vermeintlichen Ratgeber von fehlendem Hintergrundwissen und Informationsdefiziten geprägt sind.“

Der Landrat betont, dass der Hebesatz von Kreisverwaltung und -politik nicht willkürlich festgelegt werde. „Die Städte zahlen an den Kreis, weil wir für sie Leistungen und Ausgaben übernehmen. Dazu zählen beispielsweise die Tätigkeiten des Straßenverkehrsamtes, des Ausländeramtes oder im Sozial- und Gesundheitsbereich. Wir zahlen die Unterkunft für Langzeitarbeitslose, die Grundsicherung für Ältere, die Hilfe zur Pflege und über die Abgabe an den Landschaftsverband die Eingliederungshilfen für Menschen mit Behinderungen. Die dabei zu verzeichnenden steigenden Belastungen werden vom Kreis für die Städte getragen und mit der Kreisumlage auf alle verteilt“, unterstreicht Dr. Brux.

Gleichzeitig erklärt er den geplanten Anstieg der Umlage um fast sechs Punkte. „Nur durch das Einsetzen unserer Ausgleichsrücklage konnten wir den Hebesatz 2010 trotz ungünstiger Rahmenbedingungen bei 40,81 Punkten halten. Die Rücklage steht uns 2011 nicht mehr in gleichem Umfang zur Verfügung, der vergleichsweise starke Anstieg auf 46,67 Punkte ist auch darin begründet. Das war aber absehbar und bekannt.“ Weiterer Grund: Das Zusammenspiel zwischen Hebesatz und den eingebrochenen Gewerbesteuereinnahmen der Städte. „Während die Unternehmen für 2009 noch 190 Millionen Euro Gewerbesteuern gezahlt haben, kann für 2011 nur noch mit 131 Millionen geplant werden. Diesen Rückgang in der Summe können wir nur durch ein Plus beim Hebesatz ausgleichen.“

Nichts als Kopfschütteln hat man im Kreishaus auch für die Vorschläge der SIHK übrig, der Kreis solle seine Einsparpotentiale noch stärker ausschöpfen. „Wir sparen seit Jahren, wo wir können“, unterstreicht Dr. Brux. „Im Haushalt mit seinem Volumen von rund 415 Millionen Euro stecken weniger als ein Prozent an freiwilligen Leistungen, wo es Handlungsmöglichkeiten geben könnte.“

Der Landrat verwahrt sich „gegen alle Versuche von außen“, angesichts der schlechten Finanzausstattung der „kommunalen Familie“und den noch anhaltenden Folgen der Finanzkrise einen Keil zwischen den Kreis und seine Städte treiben zu wollen.

Dr. Brux formuliert es so: „Was wir alle gemeinsam brauchen, sind Gelder des Bundes und des Landes, die es uns endlich möglich machen, die uns auferlegten Aufgaben und Ausgaben angemessen bewältigen zu können. Was wir nicht brauchen, sind schlaue Ratschläge aus Hagen.“

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